Maine Coon

"Gentle Giant" die sanften Riesen

Die Amerikaner nennen den wuscheligen Katzengoliath zärtlich „Gentle Giant“ und spielen damit gleichzeitig auf das liebenswerte Wesen und die beeindruckende Größe der Maine Coon an. Zwar gehören abenteuerliche Berichte von 20 Kilogramm schweren Exemplaren vermutlich dem Reich der Märchen und Legenden an, aber groß ist sie tatsächlich die Maine Coon – ziemlich groß sogar.

               

Es hat schon viel Rätselraten um den verwirrenden Namen „Maine Coon“ gegeben. Dass es sich bei dem Namen Maine um einen amerikanischen Bundesstaat handelt, ist noch nachzuvollziehen, das Wörtchen „Coon“ lässt einen jedoch ratlos die Stirn runzeln. Angeblich wurde „Coon“ vom englischen Wort „racoon“ abgeleitet, das ins Deutsche übersetzt „Waschbär“ bedeutet. So entstand neben vielen anderen Spekulationen das Gerücht, bei der Main Coon handele es sich um eine Kreuzung aus Hauskatze und Waschbär, was selbstverständlich haarsträubender Unsinn ist, da die Verpaarung beider Spezies biologisch unmöglich ist. Es ist vermutlich dem wuscheligen Waschbärschwanz zuzuschreiben, dass die Namensgeber der Rasse an den vorwitzigen „racoon“ dachten als sie nach einer passenden Bezeichnung für die Katzenrasse suchten.

Neben vielen anderen Erklärungsversuchen gibt es da auch noch die Geschichte von dem Seefahrer Kapitän Coon, dessen Schiffskatzen sich bei Landausflügen mit der heimischen Katzenwelt vergnügt haben sollen. Die halblanghaarige Nachzucht habe man dann als „Coons Katzen“ bezeichnet. Als Realist erscheint einem jedoch am plausibelsten das die Main Coons ursprünglich das Ergebnis einer Jahrhunderte alten Selektion waren. Ihr gesamter Organismus hatte sich den landschaftlichen und klimatischen Bedingungen Nordamerikas angepasst. Klirrende Kälte und eisige Winde machten den robusten Samtpfoten mit den luchsartigen Ohrpinseln ebenso wenig aus wie sengend heiße Sommer oder wochenlanger Regen. Eine ähnliche Entwicklung lässt sich auch bei anderen Katzenrassen nachvollziehen.

Die Wurzeln der Rasse reichen angeblich bis in das Jahr 1850. Schon 1861 wurden „Gentle Giants“ als eigenständige Rasse erwähnt und es soll Farmer gegeben haben, die ihre zotteligen Freunde auf Märkten stolz zur Schau stellten.

Kurz vor der Jahrhundertwende errang die Maine Coon Katze „Cosie“ auf einer großen Katzenausstellung in New York das begehrte „Best in Show“ und sorgte dafür, dass das Interesse für die ungewöhnlich schöne Rasse immer größere Kreise zog. Doch der Erfolg war nicht von Dauer. Böse Zungen ruinierten den Ruf der halblanghaarigen Herzensbrecher und plötzlich hieß es, es sei nicht chic eine banale Bauernhofkatze sein Eigen zu nennen, was dazu führte das um 1911 die Maine Coons praktisch als ausgestorben galten. Auch hier lassen sich Schicksals- Parallelen anderer Rassen erkennen, wie zum Beispiel der fast vollständig von der züchterischen Bildfläche verschwundenen Europäisch Kurzhaar Katze, verächtlich als Hauskatze abgetan.

Begeisterte Liebhaber dieser großen Katzen werden dazu beigetragen haben das die Rasse überlebte und es Mitte der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts auch zur Gründung des „Central Maine Cat Clubs“ kam. Kurz vor Beginn der 70er Jahre wurde die erste amerikanische Interessengemeinschaft in Leben gerufen, die „Maine Coon Breeder und Fanciers Association“. 1973 erfolgte die Anerkennung durch amerikanische Katzenvereine. Die berühmte „Cat Fanciers`Association“ zog allerdings erst 1976 nach. 1985 ließ der Gouverneur von Maine die Rasse offiziell als Nationalkatze eintragen – Ehre wem Ehre gebührt! 

Wer eine Maine Coon sein Eigen nennt, weiß genau warum diese Rasse so beliebt ist. Obwohl sie ohne Zweifel naturverbundene „ganze“ Katzen sind, erweisen sie sich als anschmiegsame  und liebebedürftige Familienmitglieder, die zärtliche Streicheleinheiten und gemütliche Kuschelstunden auf der Couch durchaus schätzen. Allerdings hat das ausgeprägte Bedürfnis nach Zuneigung auch Grenzen. Nicht alle MCs sind ausgemachte Schoßkatzen. Sie lassen sich zwar durchaus einmal kurz hochheben und kauern dann sekundenlang mit unwirsch zuckendem Schwanz auf den Knien des Zweibeiners, asten aber meistens kurz darauf  mit schwungvollen Sprung herunter, um endlich wieder festen Boden zu spüren. Man sollte diese Eigenart akzeptieren und seinen Liebling keinesfalls zwingen, länger als freiwillig auf dem Schoß zu sitzen. Manchen Katzen ist es eben viel lieber am Boden gestreichelt zu werden.

Maine Coons sind nicht so geschwätzig wie Orientalen und auch bei weitem nicht so aufgedreht wie die Miezen schlanken Typs. Ihr Wesen ist vor allem ausgeglichen und gesetzt, wobei regelmäßige Temperamentausbrüche durchaus mit auf dem Tagesprogramm stehen. Die Spiel- und Spaßlaune kommt tatsächlich schubweise und erfordert den sofortigen Einsatz des katzenfreundlichen Zweibeiners. Dann heißt es Bällchen werfen, Fellmäuse schleudern und Catnip streuen.

Ist der Zweibeiner nicht rechtzeitig zur Stelle, müssen unter Umständen auch schon mal Rattanmöbel, mit Nippes vollgestellte Regale oder blumentopfreiche Fensterbänke unter dem Feuerwerk kätzischer Emotionen leiden.

Da Maine Coons durch und durch gesellige Katzen sind, sollte man ihnen die Präsenz eines Artgenossen nicht vorenthalten. Geradezu ideal ist, wenn man gleich zwei Kätzchen erwirbt und gemeinsam groß werden lässt. Zwei oder drei Katzen haben auch kein Problem damit, wenn tagsüber ihre Menschen mehrere Stunden außer Haus sind. Für eine in Einzelhaft lebende Maine Coon kann der Alltag schnell triste Formen annehmen, die über kurz oder lang zu Unsauberkeit und Introvertiertheit führen können.

Eine wirkliche Freude macht man seiner Maine Coon mit der Aufenthaltsmöglichkeit in einem Freigehege, oder wenn diese Möglichkeit nicht besteht vielleicht mit einem mittels Katzennetz gesicherten Balkon.

Obwohl Maine Coons über ein üppiges Fell verfügen, gehören sie zu den pflegeleichten Katzenrassen. Kenner der Rasse empfehlen eine Maine Coon mindestens einmal pro Woche gründlich zu pflegen.     

(Quelle: Our Cats, das Katzenmagazin, erscheint monatlich)  

 

Ich habe die Philosophen und die Katzen studiert,
doch die Weisheit der Katzen
ist letztlich um ein weites größer.
Hyppolyte Taine